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Kathrin Sonntag
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Making Of   16.06.2016 – 08.08.2016
 

Im Labyrinth der Wahrnehmung

Kathrin Sonntags Ausstellung gewordenes Spiegelkabinett bei Perptuel in Frankfurt

Und dann steht man mittendrin. Wie ins Zentrum eines Filmsets gestellt, kann sich der Betrachter fühlen. Nur scheinen die Dinge — Messer, Gabel und ein Teller, ein kleiner Tisch und die dazugehörige grünweiß karierte Decke — auf einmal ein Eigenleben zu entwickeln. Stellt sich doch auf einmal alles, bloß um eine Winzigkeit gedreht, gänzlich anders dar als eben noch in „Tango", jenem kleinen, noch während ihres Studiums bei Lothar Baumgarten in Berlin gedrehten Film. Um den dreht sich buchstäblich alles in dem Ausstellung gewordenen Spiegelkabinett, das Kathrin Sonntag in der Frankfurter Galerie Perpetuel eingerichtet hat. Auf Super-8 und in Schwarzweiß gedreht, sieht man zweieinhalb Minuten lang kaum mehr als ebenjenen Tisch, dazu zwei Hände, die ihn decken und dann, wenn endlich alles angerichtet ist, mit einem Ruck das Tischtuch runterziehen. Das ist auch schon alles. Ein Witz, ein hübscher Taschenspielertrick im Grunde, kaum mehr. Und doch findet man aus Sonntags konzeptueller Versuchsanordnung so schnell nicht mehr heraus. Nimmt sich doch die im Jahr 1981 geborene Künstlerin für ihre „Making of" überschriebene Schau Stück für Stück die eigene Ausstattung vor und reflektiert mit bald zeichnerischen, bald malerischen, hier fotografischen und dort installativen Mitteln Besteck, Geschirr und Tisch und Tuch, Motiv und Farbe und Struktur, während sie im selben Augenblick die Illusion schon wieder bricht. Nicht nur sieht man das ganze Setting, statt wie im Bewegtbild in Schwarzweiß, nun in flaschengrüne Tusche eingetaucht, und scheint das Tuch wie eben frisch gewaschen und gebügelt auf dem Tischchen abgelegt. Sonntag dehnt das „Making of" des Titels konsequent auf die verschiedenen Ebenen der Inszenierung aus. Und wendet sich im Zuge dessen mit stupender Beiläufigkeit ihrem eigentlichen The-ma zu: dem Verhältnis der Dinge zu der Vorstellung, die wir uns davon machen. Von Bild und Abbild und dem Realitätsgehalt aller Wahrnehmung. So findet man den Raum des Films im Kontext der Galerieausstellung wieder. Der wiederum wird in einer Wandarbeit gespiegelt. Perfekten Zeichnungen mit Karomuster stellt Sonntag solchen mit Fehlern, in einem anderen Maßstab oder Blättern mit ärgerlichen Tintenflecken an die Seite. überdies legt sie mit Pinsel, Fa-den, grüner Farbe, mit Lineal und Zeichenbrett die Mittel ihrer eigenen Insze-nierung offen. So einfach ist das also mit der Konzeptkunst. Und zugleich so kom-pliziert, steht doch die Pointe im Spiegelkabinett noch aus: Anders als soeben noch im Film bestaunt, liegt der Teller hier nach der Performance schlicht in Scherben. Ein Labyrinth der Wahrnehmung ist dieses „Making of". Und es gibt kein Entkommen.

CHRISTOPH SCHÜTTE für Frankfurter Allgemeine Zeitung

MAKING OF

Kathrin Sonntag

Nichts ist wie es scheint in Kathrin Sonntags Arbeit. Ihre meist in installativem Zusammenhang präsentierten Fotografien, Filme und Fundobjekte thematisieren die Bedingung des Wahrnehmens, Beobachtens und Erkennens. Fokussiert wird jener Moment, in dem sich Irritation in Vertrautes und Altbekanntes einschleicht. Seh- und Denkgewohnheiten werden spielerisch unterlaufen und das Alltägliche entwickelt ein „magisches“ Potenzial.

Für die Installation MAKING OF bildet der Film „Tango“ (2006) den Ausgangspunkt. Auf halbe Geschwindigkeit verlangsamt zeigt der digitalisierte super8 Film eine alltägliche Handlung, die unerwartete eine zauberhafte Wendung nimmt. Wie der Titel MAKING OF ankündigt, greift Kathrin Sonntag in der Installation Requisiten und formale Elemente aus dem Film wieder auf. Sie arrangiert Tuschezeichnungen, Fotografien und Gegenstände zu einem Setup, das auf den ersten Blick Auskunft über den Entstehungsprozess des Filmes geben könnte. Auf den zweiten Blick wird das Arrangement zu einem verwirrenden Spiegelkabinett, das die Grenze zwischen Generalprobe und Inszenierung verschwimmen lässt.